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Ich bin`s dein Nachbar…Christine Schauerte

Köln ist eine sehr alte Stadt, in der schon immer intensiv gelebt wurde. Unendlich viele Geschichten gibt es darüber zu lesen und zu erzählen. Christine Schauerte ist eine Gästeführerin, die sich bestens in diesem Metier auskennt. Mit Stadtgeschichten Köln veranstaltet die junge Frau Führungen durch Köln. Sie liebt ihren Beruf und scheint dafür geboren. Ich habe Christine Schauerte getroffen, um ihre Person und Stadtgeschichten Köln etwas näher kennen zu lernen.

Christine_Schauerte_Stadtfuehrung_KoelnChristine Schauerte kurz gesagt:

Ein guter Tag beginnt für mich, wenn...die Sonne scheint.
Ich komme ursprünglich aus...Siegen im Siegerland.
Ich bin nach Mülheim gekommen, weil...ich in Köln studiert habe und in Mülheim meine erste Wohnung gefunden habe.
Mein liebster Fleck Mülheim ist...der Rhein.
Drei Worte, die meinen Charakter beschreiben...ehrlich, direkt, Natur liebend
 Ich mag gern,...meinen Hund und meinen Garten
Ich mag nicht gern,...unehrliche aufdringliche Menschen
Ich lese zur Zeit das Buch…Stadtspaziergänge durch Köln
Dieses Erlebnis vergesse ich nie...als ich bei einem Preisausschreiben eine Reise auf die Malediven gewonnen habe
Auf eine einsame Insel nehme ich mit...meinen Freund, meinen Hund und eine Flasche Wein
Als Kind wollte ich...Archäologin oder Meeresbiologin werden
Glück bedeutet...Zufriedenheit und Sonnenschein

 

Hallo Christine, du bist studierte Historikerin, liebst die eigene, wie auch andere Kulturen. Wann hast du das selbst bei dir wahrgenommen?
Das war in meiner Kindheit, als ich „Die Sagen des klassischen Altertums“ von Gustav Schwab gelesen habe. Ich war gebannt und fasziniert von den Geschichten und Mythen. Auch der Film Kampf der Titanen hat mich begeistert. Die Geschichten der Römer, Griechen und Ägypter haben mich sehr früh interessiert.

Über Umwege hast du schließlich studiert und dein Studium mit Magister in Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit, der antiken Geschichte und Italienisch abgeschlossen. Du hast dich relativ schnell danach mit Stadtgeschichten Köln selbstständig gemacht. Wie bist du darauf gekommen?
Ich habe noch während meines Studiums, eine Ausbildung zum Stadtführer gemacht. Das war genau zu der Zeit, in der ich meine Magisterarbeit geschrieben habe. Somit war ich sehr konzentriert auf die Sache und überlegte, was ich danach machen sollte. Ich lag eines morgens im Bett und hatte, aus einer Art meditativem Zustand heraus, die Eingebung: Mach dich doch mit Stadtführungen selbstständig. Mir viel auch sofort der Name ein. Also habe ich mich angezogen und bin ins nächste Internetcafe gegangen. Dort habe ich mir den Domainnamen www.stadtgeschichten-koeln.de gesichert. Das war der Startschuss.

Wann war das?
Ich mache seit 2006 Stadtführungen und seit 2008 gibt es Stadtgeschichten Köln. Die Selbstständigkeit musste sich natürlich langsam entwickeln.

Hast du das Gefühl, dass das die richtige Entscheidung war?
Ja. Ich habe mich bewegt und dadurch Menschen getroffen, die mir geholfen haben. So hat sich vieles ergeben. Das war mein Glück. Es ist, als wäre das alles vorbestimmt. Schließlich liegt mir die Arbeit sehr. Ich bin frei, unabhängig und meine Arbeit hat mit Geschichte zu tun. Es ist ideal für mich.

Was bringt der Beruf des Gästeführers mit sich?
Es geht nicht nur darum Wissen zu vermitteln, sondern du musst eine Gruppe führen. Eigentlich musst du als Gästeführer ein Erzähler sein. Es ist schon angebracht, wenn du es magst, dich vor Menschen zu präsentieren. Gleichzeitig ist es wichtig, auf die Menschen eingehen zu können. Schließlich weiß man vorher nie, was auf einen zukommt. Wenn du scheu und unsicher im Umgang mit Menschen bist, ist Gästeführer wohl der falsche Beruf.

Was zeichnet Stadtgeschichten Köln und sein Team als Stadtführer aus?
Wir sind Historiker und ich selbst bin viele Jahre im Beruf. Ich bin im Vorstand vom Verein „Freie Gästeführer Köln e.V.“  Wir sind Mitglied im Bundesverband deutscher Gästeführer.
Das ist der Dachverband in Deutschland. Alle haben eine Ausbildung zum Gästeführer in Köln. Hier wird man nicht nur umfassend auf Fakten geschult, sondern man muss Sprachtraining machen, Konfliktmanagement erlernen, einen erste Hilfe Kurs absolvieren u.s.w. Ich habe zudem eine Lizenz für Domführungen. Daher ist unser Team kompetent und gut ausgebildet. Hinzu kommt die Freude am Beruf und den Menschen. 

Für Stadtgeschichten Köln hast du, neben den klassischen Touren, spezielle Mottotouren konzipiert. Es gibt z.B. eine Sex and Crime Tour. Das hört sich spannend an. Wie bist du darauf gekommen?
Ich habe mich mit Kriminalgeschichte beschäftigt und festgestellt, dass es hierzu sehr viel Material gibt. Ich wollte eine Tour konzipieren, die viele Menschen interessiert und die ein bisschen peppig ist.

Welche Fragen werden hier beantwortet?
Wie funktionierte das mit der Sexualität früher? Gab es Verhütungsmittel? Gab es One Night Stands? Wie haben sich die Leute kennengelernt? u.s.w. Daraus ist eine sehr amüsante und interessante Tour entstanden, mit pikanten und wissenswerten Inhalten.

Welche Mottotouren gibt es noch?
Eine weitere Führung, ist die Tod und Teufel Tour. Hier machen wir mit den Gästen einen Wanderweg zu den Schauplätzen der Kriminalromane des Kölner Autors Frank Schätzing.  Die dritte Mottotour nennt sich Obergärig unterirdisch. Warum haben die Wein trinkenden Römer gegen die Bier trinkenden Germanen verloren?
Alle Informationen und Termine können Sie auf der Internetseite: www.stadtgeschichten-koeln.de finden.

Du hast mit Gefängniswärtern aus Düsseldorf eine Brauhaustour gemacht, die Prinzengarde von Bad Kreuznach hat für dich „Du darst niemals von uns gehen“ gesungen. Was soll da noch kommen? Wie sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich möchte mich noch ein bisschen vergrößern und mich etwas breiter im Internet aufstellen. Ich arbeite an zwei Internetseiten, die speziell zur Brauhaustour und zur Stadtrallye, informieren. Ich möchte gern irgendwann nur noch an Wochentagen Führungen machen und die Wochenendtouren meinen exzellenten Mitarbeitern überlassen. Der große Plan ist, vielleicht mal ein halbes Jahr im Ausland zu verbringen. Ich reise sehr gern. Mein Traum wäre ein kleines Häuschen in Griechenland, mit Blick aufs Meer. Man kann ja auch von dort aus Büroarbeit machen kann. Ich will nicht mein ganzes Leben lang ackern und jedes Wochenende in der Stadt stehen. Ich möchte irgendwann einen Platz an der Sonne haben.

Kommen wir in die Gegenwart zurück. Du lebst und arbeitest in Köln-Mülheim. Hier bist du vor ca. 17 Jahren hingezogen. Wie siehst du Mülheim?
Mülheim ist für mich ein bisschen ambivalent. Auf der einen Seite finde ich es sehr schön. Man ist nah am Rhein, man hat hier in der Nähe viele Seen und einfach mehr Natur, als bspw. in Ehrenfeld. Auf der anderen Seite fehlen mir in Müllheim ein paar Kneipen und Bars. Es kommt langsam, aber es ist immer noch wenig.
Die Ecke, in der ich zurzeit wohne, ist ein wenig schwierig, weil viele Drogenabhängige und sozial schwach gestellte Menschen hier leben. Eigentlich ist es nicht schlimm, aber hier in den Straßen ist es schon ein bisschen schlimmer.

Und wie gefällt es dir?
Trotzdem mag ich Mülheim. Es ist ein offenes Fleckchen. Ich treffe immer wieder nette Leute, die hier wohnen. Ich habe eine schöne Wohnung und einen großartigen Garten. Was mich hier immer gehalten hat, ist der Rhein und dass ich wirklich schnell in der Natur bin. Es ist doch ein sympathisches Fleckchen. Für meinen Hund ist es super und ich liebe die Sonne. Solange mein Hund da ist, bleib ich hier. In Mülheim hat man seine Ruhe. Was auch schön ist, dass ich mit dem Fahrrad, am Rhein entlang, ins Städtchen fahren kann. 
  
Warum magst du das Reisen so sehr?
Ich bin abenteuerlustig. Wenn ich finanziell unabhängig wäre, wäre ich nur auf Reisen. Ich bin z.B. im letzten Jahr allein durch Laos gereist und ich habe fantastische Menschen kennengelernt. Darunter waren viele Aussteiger. Ich denke wenn man eine Weile in Asien verbracht hat, dann kann man gar nicht mehr hier in Europa leben. In Deutschland lebt man um zu arbeiten. Woanders arbeitet man um zu leben. Das sollte man nie aus den Augen verlieren. Was mir sehr wichtig ist, ist gutes Wetter. Ich leide oft, gerade in meinem Job, wenn es regnet und kalt ist.

Wenn die Welt wäre, wie du sie gern hättest, wie sähe sie dann aus?
Keiner müsste arbeiten, nur um Geld zu verdienen, sondern macht Dinge, die ihm Spaß machen. Ich meine damit nicht herumsitzen und faulenzen, sondern eher Dinge, die einem liegen und interessieren. Jeder hätte zu essen und könnte leben. Die Leute wären freundlich zueinander. Die Sonne würde den ganzen Tag scheinen und nachts könnte es ja dann regnen. (lacht) Wir hätten eine intakte Umwelt. Es macht mich schon traurig, wenn ich das sehe, dass Tiere und Menschen nicht in Harmonie zusammenleben. Es sollte keine Krankheiten geben, so dass die Menschen ihr Leben einfach leben können. Ohne Stress.

Wie könnte man dahinkommen?
Das ist eine Frage, die die Menschheit sich schon seit Jahrhunderten stellt. Der Mensch ist  eben auch so, wie er ist. Man liebt, man hasst, man ist wütend, man ist fröhlich und all diese Gefühle. Ich denke daraus entsteht eigentlich alles. Das prägt die Gesellschaft in der wir leben. Dadurch, dass wir arbeiten müssen, um einen gewissen Standart zu erreichen, entsteht eine Spirale, die dafür sorgt, dass wir nach Öl bohren oder Atomkraftwerke bauen. Weil wir die Energie brauchen oder weil Menschen mit der Energie Geld machen.
Es ist eine Frage, die ich so gar nicht beantworten kann. Vielleicht wenn jeder bei sich selbst anfängt. Was schwer ist, wie ich selber von mir weiß.

Wie, meinst du, kann jeder heute bei sich selbst etwas verändern?
Wir brauchen viel mehr Toleranz. Vielleicht sollte man da einfach gelassener sein und die negativen Schwingungen, die man so mit sich herumträgt, nicht weiter geben. Ich meine damit, nicht direkt auszurasten und dem anderen ein schlechtes Gefühl geben. Dem Menschen auch seine persönliche Freiheit zu geben und Rücksicht nehmen. Nicht denken, man ist allein auf der Welt. Versuchen positiv zu sein. Ich mag es nicht, wenn Schwächere gequält werden. Ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
„Was du nicht willst, was man dir tu,
das füge auch keinem anderen zu.“
Das ist ein Motto, nach dem man eigentlich leben sollte.  Dann wäre sicher einiges besser.

Nach diesem schönen Schlusswort möchte ich mich bei dir für das Gespräch bedanken. Viel Erfolg mit Stadtgeschichten Köln und beim Finden deines Plätzchens an der Sonne!

Möchten Sie mehr über Köln erfahren? Dann wenden Sie sich an:

Stadtgeschichten Köln
Christine Schauerte
Von-Sparr-Str. 50
51063 Köln
info@stadtgeschichte-koeln.de
www.stadtgeschichten-koeln.de

Ilka Baum

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