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12.01. – 28.02.2018 Ausstellung "LANDSCHAFT DER SEELE - Antonín Málek" Bürgerzentrum Ehrenfeld

antonin malekEs fällt schwer, nur kurz über die Kunst von Antonín Málek (1937) zu schreiben. Ganz im Gegenteil: das umfangreiche Werk und der bewegte Lebenslauf dieses Künstlers bieten Anlass für eine ausführliche Darstellung und eine ganze Reihe von Interpretationen. Zu den tschechischen Kunsthistorikern, die sich mit Máleks Werk beschäftigt haben, gehören unter anderem Mahulena Nešlehová, Hana Dobešová, Jan Kříž, Vlastimil Tetiva und die in New York tätige Charlotta Kotíková. Viele von ihnen sind zu engen Freunden des Künstlers geworden und verfolgen sein Werk und Leben mit persönlichem Interesse.

Antonín Málek gehört zu jener Gruppe von Künstlern, die ihre Heimat verließen und ihre Arbeit in der Emigration fortführten. Während Máleks Zeit in Schweden und Deutschland konnte seine Kunst sich problemlos in die dortige Kunstszene integrieren, sie wurde in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert und mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Wie viel Energie braucht ein Mensch, um die Emigration durchzustehen und die Last der Unsicherheit zu verarbeiten? Und wie viel Bemühen braucht man, um seine innerliche Kontinuität zu bewahren, so dass seine Gedanken und künstlerische Auffassung in der neuen Umgebung mit einer genau so großen Konzentration weiter entwickelt werden können?

Málek verließ die Tschechoslowakei im Jahre 1968, ausgestattet mit wichtigen künstlerischen und geistigen Erfahrungen. Außer seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Prag (1957-1963), welches Málek mit der künstlerischen Äußerung anderer Studenten konfrontierte und ihm eine theoretische Grundlage lieferte, spielte die Freundschaft mit der Gruppe von Künstlern um Jan Koblasa eine wichtige Rolle in seiner künstlerischen Entwicklung. Diese Gruppe hatte sich Ende der fünfziger Jahre formiert und basierte auf Einhaltung von gewissen Kriterien der Qualität und einer künstlerischen „Verwandtschaft“. Neben einer Annäherung an Mikuláš Medek, in dessen Atelier die Künstler zusammenkamen, gewann Málek so die Möglichkeit, Mitglieder der älteren Generation (V. Boudník, J. Istler, J. Kolář) kennen zu lernen und insbesondere mit wichtigen Theoretikern (F. Šmejkal, B. Mráz, A. Hartmann, V. Linhartová, J. Kříž und D. Veselý) Bekanntschaft zu schließen. Es wurde viel existentielle Literatur gelesen (F. Kafka, L. Klíma, A. Camus). Die absurden Texte Samuel Becketts lagen den Künstlern besonders nahe, sie pflegten ein außerordentliches Interesse an moderner klassischer und experimenteller Musik (L. Janáček, B. Martinů, A. Schönberg, A. Berg, A. Webern, P. Boulese, K. Stockhausen, J. Cage) und sie waren begeisterte Anhänger des Free Jazz (u.a. O. Coleman, Ch. Parker, J. Coltrane). Eine weitere wesentliche Rolle spielte Máleks Teilnahme an den heute legendären nichtöffentlichen „Konfrontationen“ (1960), welche ihn in seiner gewählten künstlerischen Laufbahn weiter festigten.

Máleks Werke aus seiner Voremigrationszeit standen also Seite an Seite mit jenen vieler wichtiger Mitglieder der inoffiziellen tschechischen Kunstszene der sechziger Jahre (u.a. Zdeněk Beran, Eva und Čestmír Janošek, Jan Koblasa, Pavel Nešleha, Zbyšek Sion, Antonín Tomalík, Jiří Valenta, Aleš Veselý, Karl Nepraš). Diese Künstler knüpften gemeinsam an die unterbrochene Kontinuität der Vorkriegskunst an. Schon Ende der fünfziger Jahre können wir in Máleks Arbeiten eine für ihn typische Eigenschaft erkennen, nämlich sein Interesse an der menschlichen Figur und dem Portrait. Einen figurativen Ansatz finden wir oft in seinen Zeichnungen und Grafiken, verschlüsselt in Form von versteckten Symbolen und Assoziationen, manchmal aber auch als mikroskopische Details des menschlichen Körpers (Auge, Knie, Gesäß). Die Figur ist auch in seinen informellen Materialbildern stark zu spüren, insbesondere in seinen vertikal orientierten Bildern, dessen Substanz um eine durch die Bildmitte laufende Spalte konzentriert ist. Diese aufgerissene Narbe ist mehr als ein Zeichen der Körperlichkeit: sie hat eine bedeutungsvolle Wirkung auf den Menschen als geistiges Wesen mit seinem tief verborgenen aber dafür umso mehr verletzbaren inneren Sein.

Ein symbolischer Meilenstein in Máleks künstlerischer Laufbahn ist sein Portrait von Samuel Beckett (1967/68). Mit diesem Bild beendet Málek seine Tätigkeit in seinem Heimatland und verabschiedet sich vom Informel. Die darauf folgenden Exiljahre in Schweden sind eine Zeit der verfestigten Form und farbig reinen Flächen, die den Eindruck machen, als hätten sie die Frische des klaren nordischen Lichtes, und wohl auch der Freiheit, in sich aufgesaugt (Wanderer in den Bergen, 1973; Gelbes Meer, 1973). Die Bilder und Zeichnungen aus dieser Zeit enthalten auch Hinweise an die politische Atmosphäre zuhause (Andenken an Jan Palach, 1970; Denkmal an die Zensur, 1970/71), sowie Humor und eine unheimliche Ironie (Keep Smiling, 1971).

Im Jahre 1973 lernte Málek seine zweite Frau kennen, die Bildhauerin und Keramikerin Ulrike Málek-Lohmeyer, mit der er ein zweites Atelier in Kiel gründete. Sie arbeiteten abwechselnd in Alingsås und Kiel, wo der Kontakt mit den Emigranten Jan Koblasa und Jiří Valenta sie in ihrem künstlerischen Schaffen inspirierte. Nach dem Zerfall der Ehe im Jahre 1979 zog Málek nach Köln, wo er bis heute tätig ist. In Köln entstanden unzählige Zyklen von Portraits, figurativen Zeichnungen, Gemälden und Grafiken, gekennzeichnet durch eine lockere Interpretation der Wirklichkeit und basierend auf ein psychologisiertes Verhältnis zum Urwesentlichen des Menschen, immer im allgemeinen Sinne (Gesprungener Spiegel I-VI, 1979; In einer einsamen Landschaft, 1980/81). Die Problematik der menschlichen Seele mit all ihrer Einsamkeit, Leere und Sehnsucht nach Erfüllung und einem Fixpunkt erhält hier den Inhalt der universellen Frage des Seins.

Auf dieser philosophischen Grundlage wächst das Thema der Landschaft, das Málek im Jahre 1993 auf einer Reise zu den kulturell und geographisch weit entfernten Ländern von Ladakh und Kambodscha entdeckt – Länder dessen fest verwurzelte Traditionen uns dazu bewegen, die Grundsätze unseres (westlichen) Lebens in Frage zu stellen. Seine Landschaftszeichnungen und -gemälde, höchst präzise und zugleich leicht und souverän, sind nicht eine „fotographische“ Übertragung des Gesehenen, sondern eine Aufzeichnung des Gedankenprozesses durch den eine konkrete Landschaft in eine global wahrgenommene Wirklichkeit verwandelt wird. So schließt sich der Kreis von Máleks Werk. Die Frage der menschlichen Existenz, widergespiegelt in Themen der Figur und des Portraits, „gipfelt“ in einem Portrait der Landschaft, das als Abbildung der Welt zu verstehen ist. Eine Welt, in dessen kompliziertem System der Mensch verankert ist.
Ilona Víchová, Januar 2011

»Landschaft der Seele«
Malerei von Antonín Máleks
Vernissage: 12.01.2018, 19:00 Uhr

Ausstellungsdauer: 12.01. – 28.02.2018
Die Ausstellung kann während der BüzE-Öffnungszeiten besucht werden.

Bürgerzentrum Ehrenfeld
Venloer Str. 429
50825 Köln

http://www.buergerzentrum.info/

 

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