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10.- 21.05.2018 "Urban Moments" Fotografie von Marcello Togni - Fabrik der Künste Hamburg

nehiamogldcachmn»Das Leben an sich ist fantasievoller als die Menschen, sagt Marcello Togni, seit mehr als 20 Jahren Fotograf in den Straßen von Paris. Er hält das Alltägliche, Zufällige mit der Kame- ra fest, besser könnte es nicht inszeniert werden. Togni ist der diskrete Beobachter an der Hausecke, im Szenelokal, hinter den Autos, am Schaufenster oder vor den abgerissenen, übermalten Plakaten, die in der fortschreitenden Veränderung, Übermalung oder Zerstörung durch Wind, Wetter und Menschen zu neuen Motiven werden. Motive, die nichts mehr mit denen der Grafiker und Modefotografen zu tun haben, die sie einst produziert haben. »Ich finde Kunst in den Straßen der Stadt, oft auch Surreales«, berichtet der Fotograf.

Alle Sinne von Marcello Togni sind immerzu wach. Er sieht die Szenen nicht nur, sondern er hört, riecht und fühlt. Er taucht ein in die verschiedenen Atmosphären des Straßenlebens, wird eins mit all dem, ob geheimnisvoll, düster und verlassen, lichtdurchflutet, euphorisch und belebt oder komisch, bizarr und seltsam abgewandt. Sprechende und Schweigende, in Bewegung oder statisch.

Instinktiv spürt Togni den Augenblick, weiß genau, wann er auf den Auslöser drücken muss. Ja, er muss. Für ihn ist da nur noch der Moment – ein Moment, der flüchtig ist, keinen Anfang und kein Ende hat, ein Moment, in dem der Fotograf Geschichten schreibt, die am Ende jeder anders interpretieren kann. In diesen Geschichten, zu finden in seiner Fotoserie
»Songcity«, treffen sich gestern, heute und morgen, da gibt es verschiedene Ebenen, die immer wieder auf neue Art erzählt werden können. Erzählungen aus den Straßen einer faszinierenden Stadt, die für ihn Zuhause und Foto-Atelier zugleich ist. Marcello Togni war 15, als er in der Bibliothek seiner Eltern das Buch »Les fleurs du mal« von Baudelaire fand und es las. Für ihn die Initialzündung. Er, der damals in der italienischen Schweiz lebte, wusste, dass er eines Tages nach Paris gehen würde.

Paris – seit jeher die Stadt der Verliebten, die Stadt der Philosophen, Literaten, Künstler, Musiker, Architekten, Modedesigner und Bohémiens. Eine internationale Metropole mit Menschen jeglicher Couleur aus aller Herren Länder. Pulsierendes Leben in den Quartiers mit den unendlich vielen Cafés, Restaurants, Bars, Galerien, Museen und Geschäften. Ein Mekka für Kosmopoliten und Kreative. Jeder Straßenzug offenbart neue Graffitis, neue Farben, Spiegelungen in Fenstern und auf dem regennassen Trottoir, Einblicke und Durch- blicke, Schatten und Silhouetten, neue Eindrücke von Menschen, die unbewusst mit der Architektur der Stadt kommunizieren, sie beleben, sie verändern. Magische Momente des Aufeinandertreffens, des Auseinandergehens, manchmal nur für einen winzigen Augenblick, Erinnerungen an Menschen, die man nie kennengelernt hat.

Eine Frau, die vor einem Graffiti an der Wand die Tageszeitung studiert, eine andere, die sinnierend aus dem Fenster eines Cafés auf die Straße schaut. Sie sieht vorbeihastende Menschen, aber ist es das, was sie wirklich sieht? Marcello Togni drückt es für sich so aus:
»Das Sichtbare verbergen und das Unsichtbare an den Tag bringen«. Im Dunkel seiner Fotos gibt es immer wieder Farbpunkte und Farbflächen, die aufleuchten. Farben, die mit anderen Farben korrespondieren. Dieses Rot – immer wieder dieses Rot. Mal im Lippenstift einer Passantin oder Café-Besucherin, im Schal des Hipsters, im Pullover, im Rucksack, auf der Markise, in den Räumen einer beleuchteten Bar mit ihren vielen Spirituosen, an der Wand eines Hauses, auf dem Motorrroller, auf dem Straßenschild.

»Ungeachtet der vielen Jahre, in denen die Stadt mich jetzt schon beschäftigt und wie sehr auch immer ich sie beobachte, analysiere, mich unbeirrt um sie sorge und sie mich immer wieder reizt ... ich bleibe doch ein Fremder. Einem Leseunkundigen gleich bin ich unfähig, ihr städtisches Satzgefüge allumfassend zu entziffern.

Da fehlen manche Worte, die Verben sind verschwunden, das Dunkel scheint sie rasend schnell zu verschlucken... Und häufig bleibt von einem Satz nur der Anfang oder das Ende.« (Marcello Togni)

Marcello Togni ist der Suchende im Fluss der Großstadt, lässt sich treiben, wird zum Fin- denden, zum Fänger, zum Fantasierenden. Hinter jeder Ecke wartet Neues, Unbekanntes, Spannendes, Lebendiges. Eine Übereinstimmung von Fotografie und Musik. Auch der Jazzmusiker weiß nicht genau, was kommt – die nächste Note, die nächste Melodie, der nächste Akkord, das nächste Solo. Er baut auf die musikalischen Strukturen, die seinem Solo unterliegen, er spürt den Rhythmus und die Energie, er tastet, er riskiert. Er fällt vielleicht aus dem Rahmen, bahnt sich seinen Weg aber auch wieder zurück, das gehört dazu. Freiheit und Feuer sind sein Kapital. Der Trompeter drückt die Ventile seines Instru- ments, der Fotograf den Auslöser.

Der Jazz und die Großstadt – hier die Kunstform, da der Lebensraum, in dem diese Kunst- form blüht. Bei Marcello Togni wird beides zur »Songcity«. Wenn Fotografie und Jazz im Rahmen der Ausstellung »Urban Moments« in der Fabrik der Künste in Hamburg aufeinandertreffen, dann ist das eine Familienangelegenheit. Franco Ambrosetti ist der Stiefvater von Marcello Togni.

Mit ihm kommt ein international bekannter Jazztrompeter zum Konzert in die Hamburger Fabrik der Künste, der sich Zeit seiner Karriere genauso mit europäischen wie mit ameri- kanischen Musikern umgeben hat. In Lugano als Sohn des Schweizer Industriellen und Jazz-Saxofonisten Flavio Ambrosetti geboren, wurde er schon früh auf das Leben als Unternehmer und Jazz-Musiker vorbereitet. Franco Ambrosetti erlebte als Teenager, dass etliche amerikanische Jazz-Musiker auf Einladung des Vaters in die Villa der Familie kamen und mit ihnen Musik machten – darunter auch die Mitglieder des legendären Cannonball Adderley Sextetts. Damals fing er Feuer und war ehrgeizig genug, solange zu üben, bis es für die oberste Liga des internationalen Jazz reichte. Seine Kreativität und die Kunst der Improvisation haben Franco Ambrosetti stets den Weg durch seine Aufgaben als Firmen- Chef und als Jazzmusiker geleitet.

In der Fabrik der Künste wird Franco Ambrosetti am Piano begleitet vom polnischen Pianisten Vladyslav Sendecki, der seit mehr als 20 Jahren der NDR Bigband angehört. Er wird bei dieser Gelegenheit auf einem Steinway SPIRIO Flügel spielen. SPIRIO ist das neue, hochauflösende Player Piano aus dem Hause Steinway & Sons, das mit einer Musikbibliothek von über 1.800 Titeln aus Jazz, Pop und Klassik ein unvergleichliches Musikerlebnis bietet. (Text: Sarah Seidel)

Die Fabrik der Künste präsentiert in Kooperation mit der Galerie Jens Goethel

»Urban Moments« Fotografie von Marcello Togni
Jazz-Konzert mit Franco Ambrosetti & Vladyslav Sendecki

Ausstellung vom 10. bis 21. Mai 2018
geöffnet Di bis Fr, 15 –19 Uhr | Sa und So, 12 –18 Uhr

Eröffnung am Mittwoch, dem 9. Mai 2018 um 19 Uhr
Begrüßung: Horst Werner | Einführung & Talk: Sarah Seidel (Jazz / NDR Info)

Konzert von Franco Ambrosetti (Trompete, Flügelhorn) & Vladyslav Sendecki (Piano) am Donnerstag, dem 10. Mai 2018 um 20 Uhr | Eintritt: 20 Euro
Zweisprachige Lesung aus der Autobiografie von Franco Ambrosetti
»Zwei Karrieren, ein Klang« / »la scelta di non scegliere« am Freitag, dem 11. Mai 2018 um 19 Uhr | Eintritt frei
Italienisches Original: Franco Ambrosetti | Deutsche Übersetzung: Roland Spiegel

Fabrik der Künste
Kreuzbrook 10 –12
20537 Hamburg

http://www.fabrikderkuenste.de/

Bild: o. T. (Songcity 8179) | 2016 | 70 x 105 cm Foto: © Marcello Togni

 

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